Kleine Geschichte der "Alten Büdnerei No. 7"
Willkommen in Ihrem Urlaubsdomizil mit Geschichte!

Geschichte 1Erbaut wurde das Niederdeutsche Hallenhaus nach mündlichen Überlieferungen im Jahr 1786. Leider gibt es dafür keine urkundlichen Belege. Auf jeden Fall muss der Bauzeitpunkt aber vor dem Jahr 1800 liegen, da nach diesem Zeitpunkt aufgrund eines großherzoglichen Erlasses der Verbau von Eichenholzbalken für das Volk verboten war. Dies ist auch der Grund, warum viele Fachwerkhäuser die erst zu einem viel späteren Zeitpunkt erbaut wurden, heute bereits verfallen sind, während die älteren noch großteils erhalten geblieben sind. 

Geschichte 2Die  Reetdachhäuser dieser Bauart wurden vom Domanialherren, dem Großherzog zu Mecklenburg-Schwerin,  für seine leibeigenen Bauern in Mecklenburg quasi in Reihenhausbauweise immer mit demselben oder sehr ähnlichem Grundriss erbaut (siehe Bild). Durch ein großes Tor an der Nordseite („de Groot Door“) konnten die  hoch beladenen Pferdefuhrwerke nach der Ernte in die offene Diele einfahren und  nach dem Entladen dann durch ein kleineres seitliches Tor hinten wieder heraus. Links und rechts der Diele lebten die Tiere in Verschlägen und die Knechte und Mägde in winzigen Kammern. Die Diele war nicht nur der Arbeitsplatz beim Dreschen, Flachs brechen  usw. sondern auch der gesellschaftliche Mittelpunkt für die Bauernfamilie. Hier wurden ebenso Tauf-, Hochzeits- und Erntefeste ausgerichtet, wozu häufig das ganze Dorf zu Gast war.
Der Lehmboden der Diele wurde dann eigens frisch gemeinsam gestampft und mit frischem Kies bestreut - wovon mein Großvater noch berichtet hat. Bei solchen Anlässen wurde oft der Platz knapp, so dass die Musikanten oder für die Heimreise zu betrunkenen Gäste kurzerhand auf  „de Hill“ verfrachtet wurden . (der offene Zwischenboden seitlich über den Ställen, der ansonsten als Hühnerstall und Lagerplatz für Hausrat diente)

Im hinteren Hausteil schloss sich dann die Küche mit offenem Herd an. Hier wurde gekocht, eingekocht, gebuttert, gemeinsam gegessen usw. Einen  Schornstein gab es nicht- der Rauch zog frei unters Dach ab, räucherte auf seinem Weg nach oben noch den Schinken und trocknete das geerntete Getreide nach. Nebenbei eine wunderbare Konservierung für das bis heute holzwurmfreie Gebälk. Den südlichen Abschluss des Hauses bildete das Wohnzimmer (wo meist Spinnrad und Webstuhl standen) und die Schlafkammer für den Bauern und seine Kinder sowie die Altenteilerstube. Nur hier fand sich dann auch ein einfacher Kachelofen. Heu, Getreide und andere Futtermittel wurden auf dem riesigen Dachboden gelagert, wo sich auch die Räucherkammer befand.

Als „Hufe 2“ mit mindestens 40 Hektar Land in großherzoglichem Eigentum wurde das Anwesen bereits seit dem Jahre 1750 von der Familie Bull gepachtet. „Gepachtet“ bedeutete damals eine Leibeigenschaft mit hoher Abgabe- und Handdienstpflicht gegenüber dem Lehnsherren, dem Großherzog zu Mecklenburg-Schwerin. Aus dieser Zeit sind  Erbfolgen und sogar detaillierte Aufstellungen über das Hofinventar erhalten geblieben.

Büdner Fritz Möller senior (links) um 1900 mit den Brüdern Johann  (Kaufmann in Peckatel) und Heinrich (Reeder in Hamburg)  Als im ausgehenden 19.Jahrhundert auch im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin die Leibeigenschaft durch Friedrich Franz III. beendet wurde, wurden die Hüfner (Großbauern) zum „Ausbau“ in Ortsrandlage genötigt und die ehemaligen Hufen im Dorfkern  zu mehreren Büdnereien in Privateigentum (Erbpacht) zerschlagen. Man wollte damit der zunehmenden Landflucht entgegenwirken, da die Ernteerträge dringend benötigt wurden. So entstanden erstmals freie Kleinbauernstellen von 5-10 Hektar.

In Pinnow bestanden seitdem 8 Büdnereien. Zu dieser Zeit (1886) erwarb der Kaufmannsohn Fritz Möller (senior) aus Peckatel die Büdnerei No. 7 in Pinnow aus herzoglichem Eigentum, die nun schon in 6. Generation von der Familie bewohnt und bewirtschaftet wird.   

Seitdem wurde das Haus  mehrfach umgebaut und den Bedürfnissen seiner Bewohner angepasst. Ein Schornstein verbesserte den Brandschutz, eine neue Räucherkammer entstand auf dem Dachboden und blieb bis in die 1960er Jahre in Betrieb. (heute noch erhalten) Ein Rückkehrer aus dem ersten Weltkrieg, von Beruf Elektriker, verlegte im Haus gegen Kost und Logie erstmals Stromleitungen.

 

 

 

Geschichte 4Die meisten Knechte bezogen in den 1920-er Jahren ihre eigenen Häuslereien in Pinnow die übrigen erhielten  neue Kammern auf dem Dachboden am südlichen Giebel. In den Jahren des zweiten Weltkrieges, als der einzige Sohn des Bauern und die Knechte im Krieg waren, lebten in diesen Kammern 2 russische Zwangsarbeiter.  Ohne ihre Hilfe hätte der Hof diese schweren Jahre nicht überstanden. Die Beiden verfassten zum Kriegsende einen Schutzbrief  für ihren Dienstherren, da in den nervenaufreibenden Wochen im Mai 1945 die Gegend um Pinnow mehrfach zwischen den Alliierten und der Russischen Armee den Besitz wechselte. Die Existenz des Hofes geriet abermals in Gefahr, als der Hoferbe Hans kaum aus dem Krieg zurückgekehrt für 3 Jahre in politische Gefangenschaft der russischen Administration im KZ Sachsenhausen geriet.

Zwei auf dem Hof aufgenommene Flüchtlingsfrauen aus Ostpreußen packten damals tatkräftig mit an und  fanden lebenslang „Familienanschluss“. Wieder aus der Haft frei, entschied sich der Hoferbe Hans Möller gegen einen  Neuanfang im Westteil Deutschlands, um stattdessen den Hof zu übernehmen und seine geliebte Ella aus dem Nachbardorf Sukow zu ehelichen. Bald gab es auch Nachwuchs : Die Töchter Annegret und Sabine waren nun schon die vierte Generation von Möllers auf dem Hof.

Seine Töchter Annegret und Sabine 1960

Geschichte 6

Blick vom Kirchsteig auf den Hof mit neuer Scheune 1955

Hausansicht Südseite vor 1958

Maiumzug 1933 Fritz Möller jun. & Sohn Hans


Hans Möller 1982 mit Enkelin Kathrin beim SpargelstechenUnd es ging aufwärts: 1950 wurde eine große Scheune für die Futtermittel  und neue moderne landwirtschaftliche Gerätschaften gebaut, es gab Wasseranschluss, ein neues Bad und Kachelöfen und 1958 wurden die maroden Lehmaußenwände  des Hauses durch Klinker ersetzt. (aus denkmalschützerischer Sicht heute sicher eine fragliche Maßnahme, damals aber zur Erhaltung des Hauses unverzichtbar)
Nach einigen unfreiwilligen Jahren Bewirtschaftung des Landes innerhalb einer LPG (landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), wurde die erwerbsmäßige Landwirtschaft in den Siebziger Jahren aufgegeben und erfolgte nur noch als Nebeneinnahme (Zitat Hans Möller: „Mein Spargel ist mein Westgeld!“)  und geliebtes Hobby bis in die letzen Jahre hinein.
Zu jeder Zeit gab es viele Tiere auf dem Hof. Sie wurden von uns in Kindertagen immer heiß geliebt und viele schöne Kindheitserinnerungen sind mit ihnen verbunden. Sie bewohnten jedoch nur noch einen kleinen Teil des Hauses als „Winterstall“ und erhielten zunehmend außerhalb des Hauses ihre Wohnstatt.

Im Jahre 2005 wurde das Gehöft der „Alten Büdnerei No.7“ dann wieder von der nächsten Generation übernommen und nach unseren Vorstellungen umgestaltet- was bis heute andauert. Die landwirtschaftliche Nutzung ist seitdem aus Zeitgründen eher minimalistisch. 4 Kühe, 2 Meerschweinchen, 3 Kaninchen und eine Katze als einziges Vieh auf dem Hof hätten unsere Vorfahren wahrscheinlich sehr zum schmunzeln gebracht…!  

Der Teil des Hauses, der ihnen heute als Ferienwohnung zur Verfügung steht, diente ursprünglich im 18.Jahrhundert als Schafstall. Nachdem das herzogliche Verbot der Pferdehaltung für Büdner aufgehoben war (was stolz mit den Pferdeköpfen auf dem Dachfirst demonstriert wurde) dann als Pferdestall  und Futterkammer. In jüngerer Zeit  befand sich hier eine kleine Drechslerwerkstatt. Bei einer grundlegenden Sanierung des Hauses in den Jahren 2005/2006 entstand dann die Idee hier eine Gästewohnung einzurichten.

der jüngste Hofbewohner Simon 2006Eine im Originalzustand gut erhaltene Büdnerei können sie im Freilichtmuseum Mueß besichtigen. Sehr eindrucksvoll präsentiert sich auch das Landleben der vergangenen Jahrhunderte im privaten Museum „Dat Oll Hus“ in Schwerin Krebsförden. Vielleicht schauen sie ja mal rein!

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